Und: wie haben Sie Ihre Ferien verbracht? Am Meer? In den Bergen? Norden? Süden? Familienurlaub – oder mit Freunden? Flugreise – oder mit dem Auto?

Rund um den Urlaub gibt es stets eine Menge zu entscheiden – aber bei den meisten ist eines fix: Ferienzeit ist Lesezeit! So war und ist das auch immer wieder bei mir: jene Bücher, die sich seit Monaten auf meinen Schreibtisch stapeln (und mir täglich damit ein schlechtes Gewissen bereiten) wanderten ins Gepäck und bekamen endlich jene Aufmerksamkeit die ihnen unterm Arbeitsjahr nicht zu Teil wird.

Diese mahnenden Stapel auf unserem Schreibtisch
voller ungelesener Artikel, Bücher, Links entlarvt Wolfgang Frick etwa als klassische Form eines „Entscheidungsstaus“ – der nicht dazu führt, uns das Leben leichter zu machen sondern Zeuge einer eben nicht gefällten Entscheidung ist, die wir vor uns herschieben. Das etwa war eine Erkenntnis aus meiner Ferien-Lesezeit, die ich – wieder zurück im Büro – sogleich umgesetzt habe und meine Stapelmanie konsequent ausgemistet und abgearbeitet habe. Welche Bücher mir dazu Inspiration und Aufforderung gegeben haben, möchte ich Ihnen in diesem Beitrag vorstellen.

Im Frühjahr 2016 sind im Haufe Verlag nahezu gleichzeitig zwei Bücher zum Thema “Entscheiden” erschienen, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

Sutrich, Othmar/Opp, Bernd: Wie Organisationen gut entscheiden. Innovative Werkzeuge für Führungskräfte, Projektmanager, Teams und Unternehmen; Haufe 2016 (ISBN: 978-3-648-08103-7)

 Frick, Wolfgang: Die neue Lust am Entscheiden. Wie Sie mit dem täglichen Überangebot an Möglichkeiten besser zurechtkommen; Haufe 2016 (ISBN: 978-3-648-08171-6)

Während sich das eine (Sutrich/Opp) strikt um die Frage des Entscheidens in Organisationen kümmert und dabei sehr am Fokus des Themas und seiner organisationalen Rahmung bleibt betrachtet das andere (Frick) die breite Vielfalt der täglichen Entscheidungen. Diese sind bekanntlich vielfältig. Eine deutliche Trennung zwischen geschäftlich / privat scheint kaum möglich – zumal sich die täglichen Entscheidung vor allem an dieser Grenzziehung abmühen. Ebenso verschieden ist die selbstgewählte Position der Autoren: hohe Expertise und Professionalität, auch und vor allem im theoretischen Bearbeiten der Fragen des Entscheidens zeichnet das eine Buch aus (Sutrich/Opp). Vielfältige Zugänge, methodische Bearbeitsvorschläge, großzügiges Arbeitsmaterial und Anleitungen zur Professionalisierung von Entscheidungskultur und –struktur in Organisationen sind umsichtig und mit viel Beratungserfahrung für die Leserschaft aufbereitet worden. Prominente und anschauliche Fallbeispiele (für uns Vorarlberger gibt es dabei einen interessanten Einblick in die Firma Gebrüder Weiß, die in diesem Feld eine Vorreiterrolle spielt!) zeigen Anwendungsmöglichkeiten auf, die den Transfer des Ansatzes auf Organisationen schmackhaft machen.

Dagegen macht Wolfgang Frick in seinem Buch die Position des “Praktikers” zum Stilmerkmal, in dem er bereitwillig, offen und durchaus mit viel Humor Alltagserfahrungen reflektiert und die theoretische Bearbeitung des Entscheidens expliziet nicht wählt. Betrachtet wird das ganze Spektrum der täglichen Entscheidungen: im Büro bleiben – oder Kinder ins Bett bringen, Nikolausfeier – oder Geschäftsessen, Kaufentscheidungen, Ehe(ent)scheidungen, Diäten …. das Feld ist riesig. Bei all diesen Überlegungen schleicht sich beim Lesen ein Gedanke ein: um selbstbestimmt und innerlich frei zu bleiben braucht es die Kraft eben in diesen kleinen Dingen „Nein“ zu sagen – und bewusst zu entscheiden. Viele der Alltagsentscheidungen werden als solche gar nicht mehr wahrgenommen – was dazu führt, dass wir in subtile Abhängigkeiten schlittern. An diesen entscheidenden winzig kleinen täglichen Schaltstellen liegt der Hebel für echte innere Unabhängigkeit … und genau darauf macht der Autor mit seinem Büchlein Lust.

Es gibt viele weitere Unterscheidungsmerkmale der beiden Bücher – und eine große Gemeinsamkeit: Die Überzeugung, dass das Thema “Entscheiden” an Relevanz und Bedeutung gewinnt – und dass wir in unserer komplexen Welt nicht darum herum kommen, uns mit den eigenen Entscheidungsmustern intensiv auseinander zu setzten. Auch die Überzeugung, dass sich zum Thema was lernen lässt, dass wir uns in unseren eigenen Entscheidungsprozessen entwickeln können. Welches der beiden Bücher (oder der weiteren ca. 29.998 bei einer Google-Recherche vorgeschlagenen Werke) jenes ist, das Ihren Präferenzen entspricht entscheiden Sie selbstverständlich selbst …

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